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Februar 2015: Studie bestätigt: Wohnen ist in Österreich leistbar!

Die Verhandlungen für ein neues Wohnrecht laufen und sollen nach derzeitigem Fahrplan bereits im Juni abgeschlossen sein.Die ins Leben gerufene Diskussion über angeblich so eklatant gestiegene Wohnungsmieten beherrscht nach wie vor den Ruf nach leistbarem Wohnen. Die Wirtschaftswissenschaftlerin MMag. Agnes Streissler hat im Rahmen einer Studie „Leistbare Mieten – Leistbares Leben“ im Auftrag des ÖVI den österreichischen Mietenmarkt unter die Lupe genommen und diesen auch im internationalen Vergleich und im Zeitablauf untersucht. Dabei ist die Ökonomin auf durchaus bemerkenswerte Aspekte und Fakten gestoßen.

ÖsterreicherInnen geben mehr für Freizeit aus
Der Anteil der Wohnausgaben hat in Österreich in den vergangenen Jahren etwas zugenommen, vor allem aber sind die Ausgaben für Freizeit, Kultur und Gastronomie gestiegen. Für diesen Bereich geben die ÖsterreicherInnen vergleichsweise mehr aus als andere EU-Länder.

Wohnflächen nehmen zu und Haushaltsgrößen nehmen ab
Ein weiterer Hinweis für gestiegenen Wohlstand ergibt sich daraus, dass Wohnungen immer größer werden und gleichzeitig die Durchschnittsgröße eines Haushaltes abnimmt. Die Pro-Kopf Fläche von Mietwohnungen ist seit 1986 um ein Drittel von 23 auf 30 m2 gewachsen – die durchschnittliche Mietwohnung ist heute knapp 70 m2 groß.

Die Ansprüche an die Wohnungsausstattung sind gestiegen
Das „Klo am Gang“ ist nahezu Geschichte. Waren im Jahr 1986 40% der vermieteten Wohnungen der Kategorie A zuzuordnen, zählen 2013 hingegen bereits 92% des Mietwohnungsbestandes dazu. Diese und zahlreiche andere Verbesserungen der Wohnqualität wurden in den vergangenen Jahren von privaten Hauseigentümern bewerkstelligt.

Faktoren der Leistbarkeit außerhalb der Miethöhe
Während viele andere Güter aufgrund von Produktionsfortschritten in ihrer Erzeugung zunehmend billiger geworden sind, sind die Baukosten in den vergangenen Jahren gewachsen. Aber auch steigende Betriebs- und Energiekosten sowie sinkende Realnettoeinkommen tragen dazu bei, dass Wohnen an sich ein relativ teurer werdendes Gut ist. Zu berücksichtigen ist auch, dass immer mehr Menschen nur mehr teilzeitweise beschäftigt sind und die Zahl der Arbeitslosen zunimmt.

Mietaufwand gemessen in Arbeitsstunden
Um Gleiches mit Gleichem zu vergleichen, wurde erhoben, wie viele Stunden der durchschnittliche Industriearbeiter einst und heute arbeiten muss, um sich eine 70 m2 A Wohnung leisten zu können: Zwischen 1986 und 2013 hat sich der monatliche Aufwand nur geringfügig – von 37 auf 39 Stunden – erhöht.

Bestands- und Neumieten klaffen auseinander
Während Bestandsmieten aufgrund hohen Bestandschutzes nahezu eingefroren sind, sind Neuvermietungen um ca. 1/5 höher als Bestandsmieten. Die Nachteile einer so geschaffenen Zweiklassengesellschaft wirken sich vor allem bei jüngeren Familien aus, die sich erstmals auf dem Mietwohnungsmarkt versorgen müssen. Besonders hoch sind Neumieten in Salzburg, Innsbruck und einigen Wiener Bezirken.

Treffsicherheit im sozialen Wohnbau versagt
Tatsache ist, dass ärmere Haushalte – insb. AlleinerzieherInnen – von den Wohnkosten anteilsmäßig stärker belastet sind als wohlhabendere. Österreichweit entspringen 60% des Mietwohnungsbestandes dem sozialen Wohnbau (Gemeinde- und Genossenschaftswohnungen), der allerdings seinen Aufgaben einer sozial ausgewogenen Wohnversorgung nur unzureichend nachkommt: Immerhin leben 20% der mittleren und 10% der oberen Einkommen in einer Gemeindewohnung. Bei den Genossenschaften sind 41% den mittleren und 37% den oberen Einkommen zuzuordnen. Private Mietwohnungen hingegen finden sich überproportional sowohl im niedrigen als auch im oberen Einkommensbereich. Nach zutreffender Einschätzung der Ökonomin ist dies wohl der Hauptgrund für die polarisierende Diskussion in diesem Bereich.

Schlussbemerkungen
Die Studie „Leistbare Mieten – Leistbares Leben“ kommt zu dem Schluss, dass Leben und Wohnen in Österreich angesichts stabiler Preisentwicklungen nach wie vor leistbar ist. International gesehen liegen die Wohnkosten für Mietwohnungen sogar unter dem EU-Durchschnitt. Vergleicht man Gleiches mit Gleichem – also nicht wie Mietervertreter dies gerne tun eine kleine Kategorie D Wohnung damals mit einer größeren Kategorie A Wohnung heute – so muss ein Industriearbeiter aktuell geringfügig mehr arbeiten als noch vor 27 Jahren, um sich eine Wohnung leisten zu können. Um den steigenden Ansprüchen der Wohnungssuchenden zu entsprechen, wurden zahlreiche Investitionen in eine Verbesserung der Wohnqualität vorgenommen. Auf der anderen Seite begünstigt ein zu strenger Bestandsmieterschutz die Bildung einer Zweiklassengesellschaft und bewirkt eine steigende Wohnkostenbelastung bei Neumietern. Last but not least kommt der soziale Wohnbau seinen Aufgaben nur unzureichend nach, um ärmeren Haushalten, die sich am privaten Wohnmarkt nicht selbst wohnversorgen zu können, ein Dach über den Kopf zu bieten.

Zur Studie des OVI

Österr. Haus- & Grundbesitzerbund, Landesgerichtsstraße 6, A-1010 Wien, Tel. +43 (0)1 505 74 00, Email: office@oehgb.at
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