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Mai 2015: Das Spiel mit den Zahlen

Eine kürzlich präsentierte Erhebung eines der führenden Immobilien-Experten-Netzwerke über die Wohnverhältnisse und -kosten in Europa ergab, dass Europäer im Durchschnitt 40% ihres Haushaltseinkommens fürs Wohnen (Miete/Kreditrückzahlung, Betriebskosten und Heizung) ausgeben. Denselben Prozentsatz müssten auch Österreicher nach eigenen Aussagen berappen. Zu einem völlig anderen Ergebnis hingegen gelangt eine im Jänner dieses Jahres im Auftrag des ÖVI erhobene Studie „Leistbare Mieten – Leistbares Leben“ der Ökonomin Agnes Streissler: Auf Grundlage von Eurostat-Statistiken und einer Auswertung des Mikrozensus der Statistik Austria gibt der Durchschnittshaushalt im EU-Vergleich nur die Hälfte, also 20% des Einkommens fürs Wohnen aus. Die Wohnstatistiken der Statistik Austria (Wohnen 2013) ergaben, dass im Schnitt in Österreich 22% des Haushaltseinkommens dafür aufgewendet wurden. Bei den Wohnkosten für Mietwohnungen lag laut Studie der Ökonomin Österreich 2012 überdies unter dem EU-15 Schnitt.

Manipulation zur Meinungsbildung
Die Forderung nach Leistbarem Wohnen aufgrund des allseits beklagten Mietpreisanstiegs der letzten Jahre ist mittlerweile Dauerbrenner. Wer sich insbesondere in den letzten zweieinhalb Jahren auf die Suche nach einer passenden Bleibe begeben hat, konnte sich den lauten Zurufen von Arbeiterkammer, Mietervereinigung & Co über den angeblich eklatanten Anstieg der Mieten unmöglich verschließen. Allein die Arbeiterkammer Wien, der ein Jahresbudget von rund EUR 95,5 Mio aus Arbeiterkammerbeiträgen zur Verfügung steht, hatte diesem Thema im Jahr 2014 mehr als 40 Presseaussendungen gewidmet. Wird gebetsmühlenartig immer wieder die gleiche Botschaft verkündet, setzt sich dies unweigerlich in den Köpfen der Menschen fest und wird geglaubt. Dass ein Vergleich der Betriebskosten- und Mietpreisentwicklung jedoch klar aufzeigt, dass die Betriebskosten (Wasser, Müllabfuhr etc.) sowie die Kosten für Strom und Gas stärker als die Mieten gewachsen sind, wird unter den Tisch gekehrt.

Wohnungsinserate: Seriöse Grundlage für die Erhebung des Mitniveaus?
Um das Bild des bösen Vermieters in der Öffentlichkeit glaubhaft zu untermauern, werden Mietervertreter nicht müde, weitere Register zu ziehen: „Unbefristete Altbau-Mietwohnungen sind um rund ein Fünftel teurer als erlaubt, bei befristeten Mietverhältnissen schlagen die Vermieter über 60% mehr auf den Hauptmietzins drauf als sie dürften!“ so das Ergebnis einer Inserate-Auswertung von 200 Wiener Altbau-Mietwohnungen aus der jüngsten Trickkiste der Arbeiterkammer. Dass der Mietzins einer bestimmten Wohnung aus den Angaben eines fünf Zeileninserats berechnet wird, ohne diese je besichtigt und die exakte Ausstattung der Wohnung und des Gebäudes berücksichtigt zu haben, ist dreist und erinnert in Wahrheit mehr an Kaffeesudlesen als an eine seriöse Recherche. Kein Sachverständiger getraut sich Schätzungen abzugeben, ohne das Objekt je besichtigt zu haben. Wird eine Wohnung inseriert, spiegelt das außerdem nur die Angebotsseite wieder und sagt nichts darüber aus, auf welchen Preis sich Mieter und Vermieter tatsächlich geeinigt haben.

Lagezuschläge werden künstlich niedrig gehalte
Und um noch ein weiteres Zahlenbeispiel zu nennen: Der gleichzeitig mit dem Richtwertmietzins eingeführte Lagezuschlag soll den Wert einer Wohngegend wiedergeben und errechnet sich aus den Grundstückskosten. In Wien veröffentlicht die Magistratsabteilung 25 regelmäßig die von ihr errechneten Lagezuschläge. Es mag nicht verwundern, dass die in der Lagezuschlagskarte festgehaltenen Zuschläge bei Weitem geringer sind als dies zahlreiche Gerichtsgutachten ausweisen.

Langusten zum Kilopreis von Erdäpfeln
Wohnungsnot und hohe Mieten genießen nun mal Sensationswert und werden von den Medien zum Füllen der Gazetten dankbar aufgegriffen. Beim Empfänger führen sie zu Verunsicherung, mitunter sogar zu Angst, schüren Misstrauen und Wut gegen diejenigen, die Wohnraum zur Verfügung stellen. Wenn Schlagzeilen dieser Art auch noch mit Studien und sonstigen Erhebungen unterlegt werden, gibt es für „Normalverbraucher“ keinen vernünftigen Grund an der Richtigkeit des darin präsentierten Zahlenmaterials zu zweifeln.

Wird den Forderungen der Mietervertreter entsprochen und werden Mieten künstlich niedrig gehalten, vereinheitlicht oder sonst reglementiert, wird damit das Problem der Wohnungsknappheit nicht gelöst, sondern nur verschärft. Leidtragende sind dann nicht nur die Mieter, die mangels Angebot keine passende Bleibe finden oder die Vermieter, die ihre Immobilie aus den Mieteinnahmen nicht mehr in Schuss halten können, geschweige denn einen Gewinn erzielen. Betroffen sind auch Eigentümer, die ihr Haus oder ihre Wohnung selbst bewohnen, sobald die Immobilienpreise nach unten purzeln und Banken zur Besicherung laufender Kredite aktiv werden. Anstelle das Feindbild Vermieter stets aufs Neue zu nähren, wäre es viel sinnvoller Mittel und Möglichkeiten dafür zu verwenden, um für ein ausgewogenes Klima und für ein friedliches Miteinander von Mieter und Vermieter zu sorgen.

 

Österr. Haus- & Grundbesitzerbund, Landesgerichtsstraße 6, A-1010 Wien, Tel. +43 (0)1 505 74 00, Email: office@oehgb.at
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