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Dezember: Wachtel oder Pinguin?

Spannende Fragen anlässlich des diesjährigen „Tag des Eigentums“ umkreisten Themen, die über kurz oder lang für die Immobilienwirtschaft von Bedeutung sein werden: Wie will die Jugend von heute, morgen wohnen? Wie weit sind junge Menschen an Eigentum interessiert? Worauf soll sich ein Vermieter oder Verkäufer künftig einstellen? Zwei Experten im „Vater-Sohn-Gespräch“ brachten dabei einige interessante Resultate/Erkenntnisse zutage.Gleich vorweg: Bei der Frage „Wachtel oder Pinguin?“ handelt es sich um keinen vorgezogenen Faschingsscherz, sondern um eine launige Klassifizierung der „Jugend von heute“ unter Zuhilfenahme ornithologischer Merkmale von jemandem, der es wissen muss:

Mag. Philipp Ikrath ist von Beruf Jugendforscher und beschäftigt sich am Institut für Jugendkulturforschung mit Themen rund um die „Next Generation“. Während Wachteln Nestflüchter sind, die innerhalb weniger Stunden das Nest verlassen, geben sich Pinguine als klassische „Nestbauer“. Entsprechend unterschiedlich sehen auch die Behausungen der jeweiligen Vertreter der menschlichen Nachkommenschaft aus: Wer der „Wachtel“ zuzuordnen ist, lebt überspitzt formuliert mitunter noch behelfsmäßig aus dem Umzugskarton. Bei diesen steht Eigentum – zumindest noch – nicht auf der Tagesordnung, weil es die eigene Mobilität einschränkt. Bei Vertretern der Spezies „Pinguin“ hingegen entpuppt sich die Wohnung quasi als dritte Haut. „Pinguine“ haben ein ausgeprägtes Sicherheitsbedürfnis und streben daher nach Eigentum bzw. haben langfristige Mietverträge vor Augen.

Typisch für die „Generation Ego“ – wie Ikrath junior diese Altersstufe zu bezeichnen pflegt – ist jedenfalls eine starke Orientierung auf das eigene Leben. Ein Hang zu Hedonismus und Ästhetik spielen dabei auch eine gewisse Rolle. Eigentum schmackhaft zu machen ist nach Ansicht des Jugendforschers letztlich auch eine Frage der „Verpackung“.

Einig sind sich Vater und Sohn darin, dass der Jugend das Selbstvertrauen vorangegangener Generationen abhandengekommen ist. Nach Erinnerung von Mag. Michael Ikrath wurde Eigentum früher viel pragmatischer gesehen als heute: Die eigenen vier Wände ermöglichten einerseits wirtschaftliche Unabhängigkeit als auch Unabhängigkeit vom Staat. Ikrath senior, selbst ehemaliger Banker, Justizsprecher der ÖVP und heute Mitglied des Wirtschafts- und Sozialausschuss der EU beobachtet einen deutlichen Paradigmenwechsel und konstatiert, dass es junge Menschen ohne Aussicht auf ein Erbe heutzutage schwer haben, Vermögen aufzubauen. Selbst dann, wenn der Vermögensaufbau gelingt, wird das Vermögen später wegbesteuert. Dies ist der Tatsache geschuldet, dass Österreich schon jetzt ein Hochsteuerland ist.

Nach Ansicht von Ikrath senior werden sich eigentumsfeindliche Tendenzen nicht ohne Weiteres aufhalten lassen, weil die Politik populistisch und opportunistisch unter dem Deckmantel der „sozialen Verantwortung“ und einer falsch verstandenen „Verteilungsgerechtigkeit“ agiert. Jedes Bemühen Privateigentum zu begründen ist heute gesellschaftspolitisch zu rechtfertigen, obwohl Privateigentum als Gesellschaftsmodell nach wie vor eine wesentliche Säule darstellt. Um staatliche Eingriffe auf Grund und Boden im unbedingt notwendigen Ausmaß stattfinden zu lassen, ist eine Interessenvertretung wichtiger als je zuvor.

A propos Populismus: Der jüngst von SPÖ-Chefin Dr. Pamela Rendi-Wagner vorgeschlagene Entfall der Umsatzsteuer für Mieteinnahmen ist eine nicht zu Ende gedachte Phantasterei, die mehr auf „Wählerstimmenfang“ als auf fundierter Berücksichtigung der vielschichtigen Mechanismen unseres Steuersystems basiert. Die damit ausgelösten Folgewirkungen werden jedenfalls nicht jenen Effekt haben, der marktschreierisch in die Öffentlichkeit getragen wurde. Investitionen, Wohnbau und Vorsorgewohnungen wären nicht mehr zu finanzieren. 

Die einzige Lösung liegt in einer Erhöhung des Angebots. Allein auf Wiens Gemeindebauten schlummern laut Arbeiterkammer rund 130.000 Wohnungen im Wege der Nachverdichtung. Für ebendiese Neubautätigkeiten, Nachverdichtung und generelle Investitionen in qualitativ hochwertigen Wohnraum benötigen wir aber ein liberaleres Mietrecht, keine gesetzliche Investitionsbremse.

Ich wünsche Ihnen eine besinnliche Weihnachtszeit und alles Gute für das neue Jahr!

 

Österr. Haus- & Grundbesitzerbund, Landesgerichtsstraße 6, A-1010 Wien, Tel. +43 (0)1 505 74 00, Email: office@oehgb.at
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